Was sind Dysferlinopathien?

Dysferlinopathien gehören zu den Muskeldystrophien (Muskelkrankheiten) und werden autosomal-rezessiv vererbt. Sie werden durch einen Verlust des Dysferlin-Proteins hervorgerufen, der von Mutationen des Dyferlin-Gens verursacht wird. „Autosomal-rezessiv“ bedeutet, dass die Krankheit nur auftritt, wenn beide Kopien des Dysferlin-Gens eine Mutation enthalten. Dies ist gewöhnlich der Fall, wenn von jedem Elternteil jeweils eine Kopie mit einer Mutation geerbt wird. Da „Dysferlinopathie“ eine genetische Diagnose ist, sollte diese Bezeichnung nur angewendet werden, wenn tatsächlich pathogene Dysferlin-Mutationen festgestellt wurden. Dysferlinopathien sind seltene Erkrankungen, deren exakte Inzidenz allerdings noch nicht ermittelt wurde.

Dysferlinopathien sind durch fortschreitenden Muskelschwund gekennzeichnet und können klinisch in die folgenden vier Haupttypen eingeteilt werden:

Gliedergürtel-Muskeldystrophie Typ 2B (LGMD2B)
Miyoshi-Myopathie
Distale Myopathie mit Beginn im Fußhebermuskel (DMAT)
Proximodistale Schwäche.

Die spezifische klinische Diagnose hängt gewöhnlich davon ab, welche Muskeln zu Beginn der Erkrankung betroffen sind. So wird normalerweise LGMD2B diagnostiziert, wenn die Muskelschwäche anfangs in den rumpfnahen (proximalen) Muskeln (Oberschenkel / Beckengürtel und Oberarme / Schultergürtel) auftritt, während bei der Diagnose der Miyoshi-Myopathie die Muskelschwäche in den rumpffernen (distalen) Muskeln wie Waden und Unterarmen beginnt. Es ist bisher noch nicht bekannt, wie eine Schädigung des Dysferlin-Gens all diese verschiedenen klinischen Verlaufstypen und Verteilungsmuster hervorrufen kann. Bei den meisten Patienten tritt jedoch im Verlauf der Krankheit und in den späteren Stadien eine Kombination von Symptomen auf, d. h. Schwäche in den proximalen und distalen Gliedmaßen. Diese Symptome ähneln und überschneiden sich bei den verschiedenen Subtypen der Dysferlinopathie.

Die Symptome einer Dysferlinopathie manifestieren sich gewöhnlich im frühen Erwachsenenalter zwischen 16 und 25 Jahren. Primär sind die Skelettmuskeln der Gliedmaßen und Gliedergürtel (Hüften und Schultern) betroffen, während Muskeln von Organen wie Herz und Zwerchfell noch weitgehend unbeeinträchtigt sind. Im Vergleich zu anderen Formen der Muskeldystrophie schreitet die Krankheit relativ langsam fort. Die Mehrzahl der Dysferlinopathie-Patienten verlieren 10 bis 20 Jahre nach Diagnosestellung ihre Gehfähigkeit, ihre Lebenserwartung bleibt jedoch normal. Der Zeitpunkt des Einsetzens und der Verlauf der Krankheit sind allerdings äußerst variabel.

Um mehr über diese seltenen Erkrankungen und deren variablen Verlauf lernen zu können, wurde dieses Patientenregister gegründet.